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Saalflug

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Aufziehen eines F1M Saalflugmodells
der Antriebsgummi wird eingehängt
Bei hohem Drehmoment nach dem Start hat der Propeller die größt Steigung
Ein Saalflugmodell besitzt einen asymetrischen Aufbau: die kurveninnere Fläche ist größer, das Höhenleitwerk ist um ein paar Grad geneigt

Wenn von Modellflug in Turn- oder Mehrzweckhallen die Rede ist, denkt jeder sofort an Shockflyer, die wie wildgewordene Hummeln in allen erdenklichen Richtungen davonschwirren. Doch darum soll es hier nicht gehen. Ich möchte von einer ganz anderen Art des Indoor-Modellfluges berichten, welche viel älter ist (19. Jh) und bei der es etwas langsamer zugeht. Nun, eigentlich sehr viel langsamer, ganz leise und fast unsichtbar. Die Rede ist von Modellen, die nicht mal 5 Gramm wiegen, transparent bespannt sind und mit einem im Verhältnis riesigen, gummigetriebenen Propeller Ihre Runden ziehen. Eine Fernsteuerung ist hierbei nicht von nöten, denn Saalflugmodelle können noch wirklich eigenstabil der vorgeplanten Flugbahn folgen. Nur gelegentlich, wenn Kollisionen mit anderen Modellen oder Hindernissen im Raum drohen, wird behutsam mit Hilfe von leichten Kohlefaserstangen richtungskorrigiernd eingegriffen. In richtig hohen Hallen ist mit diesen Stangen allerdings nichts mehr zu erreichen, man verwendet daher bei solchen Gelegenheiten mit Helium gefüllte Ballons, die an langen Schnüren geführt werden. Das Ziel beim Saalflug ist es, möglichst lange Flugzeiten zu erreichen. Die längsten bisher erreichten Flüge haben die Stundengrenze überschritten. Bei Wettbewerben werden in der Regel 6 Durchgänge geflogen, wobei die zwei besten Flüge gewertet werden.

Die wichtigsten Einflußgrößen für lange Flugzeiten:


(1) Ein sauber gebautes, möglichst leichtes Modell

Hier ist das handwerkliche Geschick des Erbauers maßgebend. Da es fast keine Bausätze gibt, konstruieren die Saalflieger ihre Modelle selbst und orientieren sich dabei an den Baurichtlinien, die sich aus den Klassendefinitionen ergeben (siehe Saalflugklassen). Als Baumaterial kommt vorwiegend ausgesucht leichtes Balsaholz zum Einsatz. Dazu gesellen sich Hitech-Materialien wie Borfasern, Wolfram- oder Titandraht, Kevlar und teilweise auch Kohlefaser. Als Bespannmaterial wird vorwiegend superdünne Spezialfolie verwendet. Der früher verwendete Mikrofilm, der auf Wasser aufgebracht und mit Holzrahmen abgehoben wurde, ist weitgehend von der Bildfläche verschwunden.

(2) Hallenhöhe

Hohe Hallen erlauben ein großzügiges Ausfliegen der Saalflugmodelle und das Erreichen von langen Flugzeiten ist daher einfacher. Der Traum aller Saalflieger war die Cargolifter-Halle mit einer Höhe von 107m. Leider aber wurde diese Halle als Folge der Insovenz der Cargolifter AG im Jahre 2002 der modellsportlichen Nutzung für immer entzogen – ein schmerzlicher Verlust. Welt- und Europameisterschaften werden heutzutage z.B. in der Messe von Belgrad in einer Halle mit 27m Höhe ausgetragen. Kleinere Wettbewerbe müssen sich häufig mit gerade 6m hohen Mehrzweckhallen begnügen. Da aber die Hallenhöhe vom Wettbewerbsteilnehmer so ganz und gar nicht beeinflußt werden kann, wurden von der FAI verschiedene Höhenkategorien festgelegt, um Wettbewerbsergebnisse und Rekorde vergleichbar einordnen zu können.

  • Kategorie I weniger als 8m
  • Kategorie II zwischen 8 und 15m
  • Kategorie III zwischen 15 und 30m
  • Kategorie IV über 30m

(Quelle: DaeC, Bemod, Klassenvorschrift F1D)

(3) Tourenzahl auf dem Gummi

Um den Antriebsgummi ranken sich viele, wissenschaftlich und empirisch ausgeklügelte Konzepte. Fast jeder hat da so seine eigene Methode, den Gummi auf Höchstleistung zu trimmen. Das geht über die Wahl des Schmiermittels (Silikonöl, Rizinus, etc), die Art des Aufziehens und verschiedene Vorbehandlungen wie z.B. Vordehnen. Da der Gummi nicht in allen Herstellungschargen die gleiche Qualität aufweist, muß entsprechend selektiert werden. In den Klassenvorschriften ist nur vorgeschrieben, welches Gummigewicht maximal eingsetzt werden darf. Der Querschnitt und die Länge des Antriebstranges darf aber vom Wettbewerber frei gewählt werden. Diese Abstimmung von Länge und Querschnitt führt uns direkt zum nächsten Punkt, nämlich die

(4) Effektive Ausnutzung der im Gummi gespeicherten Energie

Ziel ist es, daß möglichst viele der aufgezogenen Umdrehungen im Flug ablaufen. Landet ein Modell mit noch vielen ungenutzten Touren, so stimmt die Abstimmung noch nicht. Für die effektivste Ausnutzung der Antriebsenergie ist ein Verstellpropeller unumgänglich, der seine Steigung bei nachlassendem Drehmoment verringert. Allerdings ist dieser nicht in allen Klassen erlaubt.


Saalflugklassen

Ein Saalflugmodell der Klasse F1M-L
Ein Saalflugmodell der Klasse F1D Ministick


F1D

Die Königsklasse des Saalfluges ist die FAI-Klasse F1D. In dieser Klasse werden die Welt- und Europameisterschaften ausgeflogen. F1D-Modelle unterliegen folgenden Regelungen:

  • Spannweite maximal 55cm
  • Spannweite HLW 45cm
  • Max. Flächentiefe 20cm
  • Mindestgewicht 1,2g
  • Gewicht des geschmierten Gummis maximal 0,6g

(Quelle: DAeC, Bemod, Klassenvorschrift F1D)

In dieser hochentwickelten Klasse werden Flugzeiten von über 30 Minuten erreicht. Die verwendeten Modelle sind äußerst empfindlich und der Bau erfordert höchste Sorgfalt und viel Erfahrung. Es werden Rohrrümpfe aus papierdünnem Balsa verwendet, die mit Streben und feinsten Drähten vespannt sind, um den Kräften des Antriebsgummis standzuhalten. Die Tragflächen werden heute im Gegensatz zu früher nicht mehr abgespannt; vielmehr werden die Holme mit aufgeklebten Borfasern verstärkt. Darüber hinaus werden feinmechanische beachtenswerte Verstellmechanismen für die Propellersteigung angewendet. Um den Einstieg in den Saalflug zu erleichtern wurde von der FAI eine neue, einfachere Klasse ins Leben gerufen, die allerdings noch den Status „vorläufig“ besitzt. Es handelt sich dabei um die Klasse F1M.

F1M

Im Gegensatz zu F1D ist bei F1M-Modellen ein geradezu „großzügiges“ Mindestgewicht von 3g vorgeschrieben. Der Bau vereinfacht sich entsprechend, obschon auch hier verstärkende Borfasern verwendet werden. Der Rohrrumpf kann massiver ausgelegt werden und kommt mit sehr wenig Abspannung aus. Auf eine Skelettluftschraube kann verzichtet werden. Will man wettbewerbsfähige Zeiten erreichen, ist aber auch in dieser Klasse ein Verstellpropeller erforderlich.

  • Spannweite maximal 46cm
  • Mindestgewicht 3g
  • Gewicht des geschmierten Gummis maximal 1,5g

(Quelle: DaeC, Bemod, Klassenvorschrift F1M)

F1M-L (F1M limited)

Mit dieser nur in Deutschland gültigen Klassendefinition ist es gelungen, ein wirklich einsteigerfreundliches Regelwerk zu finden. Wie der Klassennahme vermuten läßt , basiert diese Klasse auf der internationalen Klasse F1M, unterliegt aber noch weiteren Einschränkungen:

  • Rumpflänge maximal 65cm
  • Flächentiefe maximal 15cm
  • Durchmesser Luftschraube maximal 35cm
  • Hakenabstand Luftschraube – Endhaken 27cm
  • Rohrrümpfe, Skelettluftschrauben und Verstellpropeller sind nicht gestattet.

(Quelle: DaeC, Bemod, Klassenvorschrift F1M-L)

Aufgrund der einfachen Bauweise sind diese Modelle wirklich gut für Anfänger geeignet. Selbst mit Übergewicht fliegen diese Saalflieger recht ordentlich. Durch die vielen Beschränkungen fliegen die Spezialisten den Anfänger nicht so gnadenlos davon. Mit ein bisschen Sorgfalt erreicht der geneigte Anfänger recht schnell wettbewerbsfähige Zeiten. Das schöne ist, daß diese Klasse in Deutschland auf Landes- und Bundesebene recht rege geflogen wird.

F1D Minstick

Der größte Reiz dieser Modelle liegt in der Tatsache, daß sie bequem in einer Schuhschachtel Platz finden. Trotz ihrer kleinen Maße besitzen diese Modelle ein großes Leistungspotential. In Kategorie IV-Hallen sind Flüge über 18 Minuten möglich.

  • Tragflächenabmessung maximal 178 x 63,5mm
  • Fläche HLW maximal 50 % der Tragfläche
  • Motorträger maximal 127mm
  • Rumpflänge gesamt 254mm
  • Luftschraubendurchmesser maximal 178mm
  • Mindesgewicht 0,43g
  • Die Luftschraube muß aus vollem Holz gefertigt werden. Verstellpropeller sind nicht erlaubt.

(Quelle: DaeC, Bemod, Klassenvorschrift F1D-Ministick)

Durch die im Verhältnis zum Modell recht große Luftschraube haben die Ministicks die Neigung, nach dem Start aufgrund des hohen Drehmoments Rollen oder einige Kreise nahezu im Messerflug zu fliegen.

Weblinks