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Ferran

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Struktur eines Ferranrumpfes

Der Ferran-Fertigrumpf der Fa. Carrera ist aus einem speziellen Kunststoff, der außerordentlich widerstandsfähig ist.

Die 18 unterschiedlichen Ferran-Rümpfe wurden in einem speziellen, sehr aufwändigen Verfahren hergestellt, das man als Schleuder-Sintern bezeichnen könnte. Dabei wurde eine Menge feinstgemahlenes Granulat in eine beheizte Form gegeben. Die Form rotierte während des Sinterns um alle drei Achsen.

Infolgedessen lagerte sich Material zunächst an den heißen Bereichen der Form an und bildete dort einen dünnen Film. Das restliche Material verteilte sich dann jeweils an den wärmsten Stellen, also dort, wo die Wanddicke am gringsten war. Daher rührt die unregelmässige Oberfläche auf der Innenseite der Rümpfe. Nachdem das verfügbare Material angesintert war, konnte die Form abgekühlen und anschließend der Rohling entnommen werden. Danach wurden alle Durchbrüche gefräst und das Höhenruder-Segment und die Holmbrücken eingebaut.

Der Ferranrumpf ist kaum zu zerstören und Verformungen lassen sich durch vorsichtiges Erwärmen mittels Heißluft rückgängig machen. Selbst nach langer Zeit im deformierten Zustand "erinnern" sich Ferranrümpfe an ihre ursprüngliche Form.

Ferran ließ sich mit keinem handelsüblichen Lösungsmittel anlösen, und war deshalb auch nicht klebbar. Auch der von Carrera angebotene Ferran-Lack hielt nur nach vorherigem Abflammen mit einer sogenannten scharfen (sauerstoffübersättigten) Flamme. (Dabei schmelzen mikroskopische Tröpfchen aus und die Oberfläche wird vorübergehend offenporig).

Die stark unterschiedliche Längenausdehnung der mitgelieferten Steuergestänge und des Rumpfes führten bei Temperaturwechseln zu einem Vertrimmen der Steuerung. Aus diesem Grunde war für die größeren Rümpfe eine aufwändige Ausgleichsmechanik vorgesehen. Gewitztere Modellbauer ersetzten einfach das mitgelieferte Material durch ein (gelbes) GfK-Rohr der Konkurenz und lenkten das Seitenruder beidseitig mittels Kunststoffseilen an.

ABS Platte im Ferranrumpf zur Befestigung von Komponenten

Einbauten im Rumpf konnten nur formschlüssig durchgeführt werden (Schrauben, Nieten etc.). Im Rumpf gab es eine Bodenplatte aus ABS, die verschraubt wurde. Diese diente als Basis für die Rumpfeinbauten. Es war recht einfach, darauf die Komponenten zu montieren bzw. auch wieder zu demontieren.

Durchbrüche konnten mühelos mit Bohrer, kegeligem Schälbohrer und Skalpell eingearbeitet werden. Sie mussten aber selbstverständlich immer "gerundete Ecken" aufweisen, um einer Rissbildung vorzubeugen.

Durch die unregelmäßige Wanddicke traten aber nach Abstürzen trotzdem manchmal Risse auf. Meist gingen diese von rechteckig eingeschnittenen Aussparungen für Schalter etc. aus (siehe Kerbwirkung). Diese mussten durch ein eingeschmolzenes Loch (glühender Draht 1,5 mm) am Rissende gestoppt werden.


Reparaturen am Ferranrumpf gelingen so:

  • Rund um den Schaden im Abstand von 10-15 mm Löcher (2 mm) Bohren und ansenken.
  • Entsprechende kurze Schräubchen durchstecken und mit Klebeband gegen Herausfallen sichern.
  • Etwas Weißleim mit reichlich Baumwollflocken eindicken und die Bruchstelle samt Schrauben von innen bestreichen.
  • Mit Weißleim getränktes Gewebe (dünner Baumwollstoff, Glasgewebe etc.) als Verstärkung aufbringen.
  • Wanddicke der Bandage ca. 2-3 mm. Die durchgetrocknete Weißleim-Matrix hat sehr ähnliche Eigenschaften wie Ferran.
  • Die Trocknung dauert sehr lange, weshalb dies kein Verfahren für Schnellreperaturen ist.

(Auch die unbeplankten Schaumstoff-Tragfläche von Loft und ASW19 konnten durch eine Bespannung mit Kunstseide und verdünntem, wasserfestem Weißleim haltbarer gemacht werden.)

Nach allen Erfahrungen altert Ferran kaum und bleibt auch bei niedrigen Temperaturen schlagzäher als andere Kunststoffe. Andauernde UV-Einwirkung kann zu Verfärbungen führen, ein übermäßiges verspröden solcher Stellen ist denkbar - wurde aber noch nicht beobachtet.

Robbe bot in den frühen 1980ern vorübergehend nahezu identische Rümpfe mit der Bezeichnung Crashproof-Fertigrumpf und später Cepeh-Fertigrumpf an. Diese kamen z. B. bei den Modellen Rotario, Dura, Roja und Hornet zum Einsatz. (Nicht zu verwechseln mit dem späteren Robbe Plura-Fertigrumpf aus ABS.)